Coral Bleaching, Welfare Losses and Micronutrients (FV-125)

Prof. Dr. Beat Hintermann, Roman Eric Sieler

Öffentliche Finanzen

Forschungsgegenstand
Der Klimawandel stellt eine gravierende Bedrohung für die Zukunft der weltweiten
Korallenriffe dar. Korallenbleiche, ein hitzebedingtes Phänomen, das ganze Riffe
zerstören kann, tritt mit steigenden Meerestemperaturen häufi ger auf. Dadurch
geraten Fischbestände unter Druck (Pratchett, et al. 2011) und die Stabilität von
Fischerei wird gefährdet (Robinson et al., 2019). Dies ist von erheblicher Bedeutung,
da Millionen von Menschen in Entwicklungsländern auf Fisch aus Korallenriffen
angewiesen sind – sowohl als Proteinquelle als auch für die Versorgung mit
essenziellen Mikronährstoffen (Teh, Teh und Sumaila 2013; Galligan und McClanahan
2024). Letztere spielen für Ernährung eine grosse Rolle, da über eine Milliarde
Menschen weltweit an einer diesbezüglichen Mangelernährung leiden (Passarelli,
et al. 2024). Die Folgen sind gravierend und reichen von Entwicklungsstörungen
bei Kindern bis hin zu langfristig schlechteren ökonomischen Perspektiven
(Siddiqui, et al. 2020). Empirische Studien zeigen, dass Mikronährstoffdefizite
Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung haben können. So
wurde etwa nachgewiesen, dass das Bruttoinlandsprodukt Myanmars aufgrund von
Mikronährstoffmangel um 2,4 % niedriger liegt (Zaw Win 2015). Die ökonomische
Literatur hat sich bislang allerdings vor allem mit den Vorteilen von Massnahmen
zur Verbesserung der Mikronährstoffversorgung beschäftigt und konnte dabei
deutliche positive Effekte nachweisen – beispielsweise in Peru (Chong, et al. 2016)
oder Indien (Aizer et al., 2016).

Problemstellung
Wenn Korallenbleiche zu einem Rückgang des Fischfangs führt, kann dies
sowohl die allgemeine Ernährung der Küstenbevölkerung als auch die Aufnahme
von Mikronährstoffen negativ beeinflussen. Letzterer Aspekt könnte sogar
bedeutsamer sein, da aquatische Nahrungsmittel in Küstengemeinden oft die
wichtigste Quelle für Mikronährstoffe darstellen (Zamborain-Mason et al., 2025).
Mikronährstoffmangel ist jedoch häufi g nicht unmittelbar sichtbar. Das bedeutet,
dass ein mangelndes Verständnis über die Auswirkungen von Korallenbleiche
zu unpräzisen politischen Interventionen führen kann, deren Folgen erst Jahre
später spürbar werden. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ist es
daher entscheidend, das Ausmass der Auswirkungen von Korallenbleiche auf den
Mikronährstoffmangel besser zu verstehen. Eine Übersetzung dieser Erkenntnisse
in ökonomische Kosten auf nationaler Ebene könnte zudem eine präzisere
Ausrichtung politischer Massnahmen ermöglichen und Lebensbedingungen von
Haushalten in Entwicklungsländern verbessern.

Zielsetzung
Im Rahmen eines zur Zeit laufenden Forschungsprojekts zu den Auswirkungen
von Korallenbleichen auf Fischfang und -konsum haben wir einen umfangreichen
Datensatz zu Korallenbleiche erstellt, der auf Satellitenbildern und Machine Learning
basiert. Wir schlagen vor, diesen Datensatz in Kombination mit umfassenden
Wetter- und Meerestemperaturdaten zu nutzen, um den Mikronährstoffgehalt
von Fischfang anhand eines kürzlich veröffentlichten Datensatzes (Galligan &
McClanahan, 2024) zu analysieren. Dies würde ermöglichen, das Ausmass der
Auswirkungen auf Mikronährstoffkonzentrationen zu erfassen, die sich nicht nur
durch die Menge, sondern auch durch die Zusammensetzung der Fänge verändern
können. Anschliessend planen wir, diese Daten mit detaillierten Indikatoren
zur Kindergesundheit aus der aktuellen kenianischen Demographic and Health
Survey zu verknüpfen. Diese enthält sowohl Standortdaten, die eine Verbindung
mit Klima- und Bleichedaten erlauben, als auch detaillierte Gesundheitsdaten für
Kinder. Mithilfe eines Instrumentvariablenansatzes, bei dem Korallenbleiche über
langfristige Meerestemperaturen instrumentiert wird, um die exogene klimatische
Variation zu isolieren, können wir den Einfluss der Korallenbleiche, insbesondere
im Hinblick auf eine mögliche Veränderung der Mikronährstoffverfügbarkeit, auf
diese Gesundheitsindikatoren untersuchen. In einem zweiten Schritt schätzen wir
die gesamtwirtschaftlichen Kosten von Korallenbleichen, mit einem Fokus auf
Gesundheits- und Humankapitalkosten.

Bedeutung, Nutzen und Neuigkeitsgehalt des beantragten Projekts
Unser Projekt trägt zu einem besseren Verständnis der ernährungsbezogenen
Auswirkungen eines der ersten grossflächigen Ökosystemeffekte des
Klimawandels bei und könnte damit das Potenzial gezielter Interventionen in
Entwicklungsländern verbessern. Der Ansatz, Ökosystemleistungen, die durch
den Klimawandel beeinträchtigt werden, als Faktor für eine Verschlechterung
der Mikronährstoffversorgung zu betrachten, ist unseres Wissens neu. Unser neu
erstellter Korallenbleichen-Datensatz ermöglicht eine differenziertere Analyse im
Vergleich zu früheren Arbeiten.

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