FV-44 | Strommarktliberalisierung und ihre Auswirkung auf Industriesektoren und Investitionen

Prof. Dr. Hannes Weigt, Dr. Markus Ludwig

Energieökonomie

 

Ziele des Projektes:
Die ursprünglich für 2018 geplante Schweizer Strommarktliberalisierung ist aus wirtschaftspolitischer Sicht mit einiger Unsicherheit verbunden. Auch wenn das genaue Datum einer möglichen vollen Liberalisierung aktuell unklar ist, hält der Bundesrat grundlegend an einer Marktöffnung fest. Entsprechend bleibt die Frage, wie sich Veränderungen in den Strompreisen, die zwangsläufig durch eine Marktliberalisierung entstehen, auf den Wirtschaftsstandort Schweiz auswirken.

Befürchtet wird vor allem ein negativer Effekt auf energieintensive Sektoren und den resultierenden Einfluss auf das Beschäftigungsniveau. Für eine zielführende Debatte bezüglich dieses Themas, ist es allerdings wichtig mögliche Effekte durch eine wissenschaftlich fundierte empirische Analyse zu untersuchen.

Da für die Schweiz hierfür noch keine Daten verfügbar sind, wird im Rahmen des Projektes auf eine empirische Analyse der US-Amerikanischen Strommärkte zurückgegriffen. Anhand detaillierter Strompreisdaten von 2000 bis 2014 sowie firmenspezifischer Daten und Daten über Kraftwerksinvestitionen wollen wir untersuchen wie sich Strompreisänderungen auf die Wirtschaft auswirken. Die Analyse der Strommarktliberalisierung und der daraus folgenden Strompreisänderung in den USA lässt auch Rückschlüsse auf die Schweizer Marktöffnung und ihren möglichen Effekt auf die Wirtschaft zu.

Realisierte Schritte:
Die Daten für die ökonometrische Analyse wurden vollständig aufbereitet und eine ausführliche Datenanalyse ausgeführt.

Die Daten beinhalten Strompreisdaten mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung (PJM), Kraftwerksinvestitionsdaten (PJM) mit hoher räumlichen Auflösung sowie Arbeitsmarktdaten auf Postleitzahlspezifischem Aggregationsniveau (County Business Patterns Datenbank des Untied States Census Bureau).

Die Analyse wurde in zwei Teilen durchgeführt. Zuerst, wurde mithilfe einfacher linearen Regressionen, sowie ökonometrisch anspruchsvolleren Diff-in-Diff Schätzverfahrens, getestet ob sich lokale Veränderungen in den Strompreisen, welche sich mit der Marktliberalisierung einstellen, auf die Beschäftigungszahlen auswirken. Im zweiten Teil der Analyse wurden einfache lineare Schätzmodelle verwendet, um den Zusammenhang zwischen Strompreisvolatilität und Beschäftigung, konditional auf Zeit- und Postleitzahl Fixed-Effekte, zu untersuchen.

Ergebnisse:
Unsere ökonometrische Analyse zeigt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen lokalen, nach der Marktliberalisierung erfolgenden Änderungen im Strommarktpreis und Beschäftigungszahlen. Unsere Ergebnisse zeigen weiterhin keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Strompreis-volatilität und Beschäftigung. Dies für uns etwas überraschendes Ergebnis, lässt den vorsichtigen Schluss zu, dass weder der Strompreis noch die Strompreisvolatilität im Durchschnitt im untersuchten Gebiet einen starken Einfluss auf die Beschäftigung hat. Dies bedeutet, dass relative räumliche Änderungen die durch die Strommarktliberalisierung entstehen eher vernachlässigbar sind. Generell können wir aber viele Bereiche dieses Effektes nicht beleuchten.

Aktuell wird noch eine kritische Bewertung des Schätzmodells sowie die Übertragbarkeit der US Marktstrukturen auf die europäischen und Schweizer Gegebenheiten durchgeführt. Dies soll uns ermöglichen abzuschätzen, wie robust die Ergebnisse sind und ob daraus Schlussfolgerungen für die Schweizer Energiepolitik möglich sind.

Publikationen:
Für dieses Projekt ist derzeit noch die Zusammenstellung eines Abschlussberichts und eines WWZ Discussion Papers in Arbeit. Dies sollte bis Ende Februar 2017 erfolgen.

Präsentationen und Konferenzen:
Die Forschungsergebnisse werden im Rahmen des SCCER-CREST Workpackages ‚Energy Policy, Markets and Regulation‘ diskutiert.