Prof. Dr. Aleksander Berentsen, Dr. Fabian Schär

 

Wirtschaftstheorie

Forschungsgegenstand
Funktionsweise, Relevanz und praktische Tauglichkeit von Smart Contracts.

Forschungsfrage
Das Thema Blockchain ist zurzeit omnipräsent. Im Zusammenhang mit dieser Technologie werden auch immer wieder «Smart Contracts» erwähnt – also softwarebasierte Verträge, welche in einer Blockchain abgespeichert sind und dort ausgeführt werden. Ein «Smart Contract» ist ein selbstvollziehender Vertrag. Die Abwicklung des Vertrages erfolgt automatisiert anhand von präzisen Regeln, auf die sich die beteiligten Parteien ex ante geeinigt haben.
Ein Kreditverhältnis kann beispielsweise so über einen «Smart Contract» abgebildet werden, dass die Sicherheit abhängig von einer Zahlung automatisch an den Schuldner oder aber den Gläubiger transferiert wird. Es können Verträge aufgesetzt werden, die garantieren, dass mehrere Transaktionen exakt gleichzeitig verarbeitet werden. Auch sogenannte Zahlungskanäle, durch welche blockchainbesicherte Mikrotransaktionen möglich werden, entstehen aus «Smart Contracts». Es können sogar Gemeinschaftskonten mit Kollektivunterschrift zu zweien (sogenannte Multisig-Bedingungen) nachgestellt werden. Tritt ein bestimmtes Ereignis ein, wird der Vertrag genauso ausgeführt, wie dies zuvor durch die beteiligten Parteien definiert und festgehalten wurde.
«Smart Contracts» stellen potentielle Nutzer vor grosse Einstiegsbarrieren und Unsicherheiten. Informationen sind ungenügend vorhanden, unverlässlich und zumeist schlecht aufbereitet, so dass die individuelle Einarbeitung beschwerlich und nur mit einem sehr hohen Ressourcenaufwand bewältigbar ist. Dabei wäre eben dieses Wissen essentiell bei der Entscheidung ob und falls ja, inwiefern der Gebrauch von «Smart Contracts» wirtschaftlich interessant sein könnte.
Mangelndes Verständnis kann einerseits dazu führen, dass Unternehmen und Private «Smart Contracts» voreilig annehmen ohne dabei die Tragweite und Gefahren dieser Entscheidung zu verstehen. Auf der anderen Seite kann zu grosse Zurückhaltung aber dazu führen, dass diese bahnbrechende Technologie, mangels entsprechendem Knowhow, unberücksichtigt bleibt.

Zielsetzung
Ziel des Projekts ist das Erstellen einer soliden Forschungsgrundlage zum Thema «Smart Contracts», welche von Privaten und Aufsichtsbehörden als Grundlagenwerk konsultiert und im akademischen Umfeld als Basis für weitere Forschungsprojekte verwendet werden kann.
Zur Abhandlung der Funktionsweise werden die technischen Aspekte von «Smart Contracts» vorgestellt und erläutert. Dazu gehören unter anderem Fragestellungen wie: „Was ist und wie funktionieren solche Kontrakte?“ oder „Welche kryptographischen Verfahren stecken hinter der theoretischen Sicherheit des Systems?“. Der Teil zur praktischen Tauglichkeit beschäftigt sich mit konkreten Fallbeispielen und ermöglicht Einblicke in Chancen und Risiken von «Smart Contracts». Dabei werden ganz konkret Probleme aufgedeckt, die bei der Verwen-dung in der Praxis beachtet werden sollten.

Bedeutung und Nutzen
Das Projekt wird aufgrund seiner Aktualität und Praxisnähe einen hohen direkten Nutzen generieren. Die Produkte wurden gezielt so gewählt, dass sie Politik,

Private sowie Akademie gleichermassen ansprechen und völlig losgelöst von allfälligen Folgeprojekten einen erheblichen Mehrwert generieren.
Des Weiteren ermöglicht diese Grundlage das Vordringen in ein komplexes Forschungsgebiet, welches aufgrund der hohen Interdisziplinarität (Ökonomie, Kryptographie und Informatik) einer gewissen Grundliteratur bedarf. Die bestehende Literatur genügt den Qualitätsansprüchen zu diesem Zweck nicht.