FV-68 | Die Akzeptanz algorithmusgestützter Personalrekrutierung durch Personalverantwortliche

Prof. Dr. Michael Beckmann, Dr. Renate Strobl

Personal und Organisation

Forschungsgegenstand
Es soll die Frage untersucht werden, wie und unter welchen Umständen Personalverantwortliche geneigt sind, zur Unterstützung von Personaleinstellungsentscheidungen
auf algorithmusgestützte Selektionsinstrumente zurückzugreifen Forschungsfrage Die Stichworte künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung beschäftigen in letzter
Zeit nicht nur die Medien, sondern auch Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Auch im Zusammenhang mit der Rekrutierung von Personal sind diese
Entwicklungen für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer von grosser Bedeutung. So greifen auch einige Schweizer und in der Schweiz ansässigen Unternehmen auf mehr oder
minder raffinierte Formen der automatisierten Personalrekrutierung zurück. Die Methodenspannweite reicht dabei von simplen Screenings des Lebenslaufs nach
Schlagwörtern bis hin zu Bewerbungsgesprächen mit künstlicher Intelligenz, die via Computer oder Smartphone (z.B. Unilever) auch Persönlichkeitsmerkmale,
Gestik und Mimik der Kandidaten auswertet. Jedoch ist auch bekannt, dass Menschen den Fähigkeiten von Algorithmen mit gewisser Skepsis begegnen und
sich selbst regelmäßig als kompetenter wahrnehmen, was sich negativ auf den Einsatz dieser Methoden bei Personalverantwortlichen auswirken könnte. Daher
sind Unternehmen zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob und in welchem Umfang sowie Kontext sie auf automatisierte Instrumente der Personalrekrutierung
zurückgreifen können und sollten.


Zielsetzung
Das Projekt soll aus entscheidungstheoretischer Sicht untersuchen, wie und unter welchen Umständen Personalverantwortliche geneigt sind, auf automatisierte Personalauswahlinstrumente zurückzugreifen. Die Antwort auf diese Frage stellt eine wertvolle und zukunftsrelevante Erkenntnis für Unternehmen dar; schliesslich sollten diese bei der Entscheidung zur Einführung bzw. Erweiterung des Einsatzes solcher Methoden wissen, wann und wie diese von den Personalverantwortlichen genutzt werden. Und inwieweit diese Nutzung Auswirkungen auf die Entscheidungsqualität hat. Im Spezifischen soll dabei nicht nur die Akzeptanz dieser Methoden, sondern auch der Zusammenhang mit den Qualifikationsanforderungen der jeweiligen Stelle Beachtung finden. Gelingt es in der geplanten Studie, Erkenntnisse über die Akzeptanz von maschinengestützter Personalauswahl abzuleiten, so würde dies ermöglichen, Gestaltungsempfehlungen im Hinblick auf die weitere Verwendung der betreffenden Personalrekrutierungsinstrumente abzuleiten.


Bedeutung und Nutzen
Die Möglichkeit automatisierter Personalrekrutierung ist von erheblicher unternehmenspolitischer Relevanz. Unternehmen müssen darauf bedacht sein, sowohl von der möglichen Effizienz und Überlegenheit dieser Rekrutierungsinstrumente zu profitieren, als auch potentielle Hindernisse bei der Einführung zu kennen. Während bislang überwiegend die Leistungsfähigkeit
automatisierter Rekrutierungsformen aus der technischen Perspektive von Computerwissenschaftlern untersucht wurde, ist es gleichermaßen wichtig, aus verhaltenswissenschaftlicher Sicht zu analysieren, was bei deren Einführung zu beachten ist – ein Aspekt, der bisher wenig Beachtung fand. Insbesondere wird es hierbei wichtig sein, zu verstehen, wie und unter welchen Umständen Personaler geneigt sind, auf diese Methoden der Personalrekrutierung zurückzugreifen.