Angebotsinduzierte Nachfrage nach medizinischen Leistungen: Evidenz für die Schweiz (FV-124)

Prof. Dr. Stefan Felder, Prof. Dr. Kurt Schmidheiny, Dr. Stephan Meyer

Gesundheitsökonomie

Forschungsgegenstand
Der Schweizer Föderalismus zeigt sich auch in der Höhe der Gesundheitsausgaben.
Die Standardprämie für Erwachsene in der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) 
schwankt in diesem Jahr zwischen 423 Franken in Appenzell-Innerhoden und 713 Franken in Genf, 
mithin ein Unterschied von 290 Franken oder 69%. Die Frage stellt sich, wieviel dieses Unterschieds durch
Angebotsfaktoren (z.B. die Ärztedichte oder die Zahl der Spitalbetten) und wieviel
durch die Nachfrage (d.h. Morbidität der Bevölkerung, individuelle Präferenzen)
bestimmt ist. Für die Analyse liegen uns jährliche Individualdaten von rund 1.3 Mio.
Helsana-Versicherten im Zeitraum 2015 bis 2023 vor, mit denen wir dieser Frage
nachgehen können.

Problemstellung
Wenn Ärzte ihren Informationsvorteil gegenüber ihren Patienten ausnutzen,
kann es zu angebotsinduzierter Nachfrage kommen. Darunter verstehen die
Gesundheitsökonomen eine Situation, bei welcher der Grenznutzen einer
Behandlung für die Patienten negativ ist. Weniger wäre also für den Patienten
mehr, aber für den Arzt weniger, weil er weniger verdiente. Angebotsinduzierte
Nachfrage ist empirisch sehr schwierig zu identifizieren.

Zielsetzung
Methodisch kann die Fragestellung angegangen werden, indem man die Änderung
der Gesundheitsausgaben von Personen untersucht, die in einen anderen Kanton
oder eine andere Prämienregion umziehen. Ist die Nachfrage für die Höhe der
Gesundheitsausgaben verantwortlich, sollten sich die Gesundheitsausgaben einer
Person nicht ändern, wenn sie ihren Wohnortskanton wechselt. Ändern sie sich
aber, so weist dies auf eine angebotsinduzierte Nachfrage hin.

Bedeutung, Nutzen und Neuigkeitsgehalt des beantragten Projekts
Methodisch kann die Fragestellung angegangen werden, indem man die Änderung
der Gesundheitsausgaben von Personen untersucht, die in einen anderen Kanton
oder eine andere Prämienregion umziehen. Ist die Nachfrage für die Höhe der
Gesundheitsausgaben verantwortlich, sollten sich die Gesundheitsausgaben einer
Person nicht ändern, wenn sie ihren Wohnortskanton wechselt. Ändern sie sich
aber, so weist dies auf eine angebotsinduzierte Nachfrage hin.

 

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